Auf der Fährte des Fuchses

Fortsetzung aus Der Ruf des Fuchses

Völlig ausser Atem erreichte ich in Gedanken kreisend, den auf dem Hügel gelegenen Waldrand. Ich setzte mich in den Schnee und genoss das vor mir liegende Panorama mit Sicht auf den Säntis. Den Blick liess ich frei über die glitzernde Schneedecke wandern und blieb an einem Spurverlauf im Schnee buchstäblich kleben. Durch meine Neugierde angetrieben erhob ich mich aus meinem gemütlichen Schneesitz und machte mich in Richtung der Spur auf. Beim genauen betrachten der Abdrücke im Schnee, erkannte ich eine Fuchsfährte.

Fuchsfährte

Ich folgte der Fährte des Fuchses über weite Felder und Hügel bis zu einer kleinen Anhöhe. Hinter der Kuppe war die Krone eines Baumes zu erkennen. Ich folgte der Fährte weiter, welche geradewegs auf den Baum zu führte. Nun stand ich auf einem kleinen Plateau vor dem Baum. Seitlich angelehnt an den Baumstamm ein leerer Brunnentrog. Ich setzte mich auf den Rand des Brunnens und lehnte mich an den Baumstamm der Esche und dachte nach, sehr lange nach. Ein gurgelndes Geräusch holte mich aus meinen kreisenden Gedanken zurück. Mein Blick richtete sich wieder auf das Ende des Brunnens und der Fuchsfährte. Erst jetzt fiel mir auf, dass der Fuchs wohl auf der Suche nach Wasser gewesen sein musste. Der Schnee am Ende des Brunnens war weggescharrt und gab den Blick frei auf die Wasserzuführung des Brunnens. In diesem Augenblick assoziierte ich das Quellwasser des Brunnens mit tiefgründiger Klarheit. Ich war ja auf der Suche nach Klarheit für meine Entscheidung.

Ich legte mich in den trockenen Brunnentrog und auf einer schamanischen Reise stieg ich tief in den Brunnen hinab auf dem Weg zum Quellenursprung. Ich folgte dem Wasserlauf weit in den Hügel hinein bis in einer kleinen Kaverne gelegenen See. Mit der Erlaubnis des Quellenwächters tauchte ich in das glasklare Wasser ein um Klarheit zu erlangen.

Die Ringe auf der Wasseroberfläche flachten langsam ab und das Wasser wurde klar. Ich stand nun seitlich schräg hinter einem Mann mit gebeugtem nacktem Oberkörper. Er sass an einem kleinen Schreibtisch und kritzelte seine Unterschrift auf einen  Vertrag auf welchem das Logo der Firma deutlich ersichtlich war. Nachdem er den Vertrag unterschrieben hatte, bildete sich auf seinem  Rücken ein kleiner schwarzer Punkt. Beim genaueren betrachten erwies sich der schwarze Punkt als eine kleine Zecke. Es wurden nun immer mehr Punkte, bis der ganze Rücken davon übersäht war. Die Zecken wurden immer grösser und saugten den Mann komplett aus. Ausgelaugt und verschrumpelt fiel dieser seitlich vom Stuhl. Es schien als wollte er mir noch etwas mit seinem letzten Atemzug sagen, doch daraus wurde nichts. Ausgehaucht lag sein Körper auf dem kahlen, kalten Boden und zerfiel zu Asche und Staub. Das Bild wurde nun immer verschwommener, bis schliesslich nur noch Ringe auf der Wasseroberfläche wahrnehmbar waren.

Ich bedankte mich bei dem Wächter der Quelle und machte mich wieder auf den Weg zurück zum Brunnentrog. Im Jetzt angekommen, richtete ich meinen Oberkörper auf und setzte mich auf den Rand des Brunnens. Angelehnt an den Stamm der Esche, fällte ich anhand der gewonnen Erkenntnis meinen emotionalen Entscheid. Ich würde Morgen das noch so verlockenden Angebot der Firma ausschlagen.

Hungrig und erleichtert über den gefällten Entscheid und ohne jeglichen Zweifel, machte ich mich auf den Rückweg zu unserem tief verschneiten Haus. Heiter und gut gelaunt öffnete ich die Tür unseres Hauses und rief: „Ich habe mich entschieden…“