Nächtliche Begegnung

Eine dicke Schneedecke liegt noch immer über den Appenzeller Hügeln und sternenklare Nächte lassen das Thermometer weit unter den Gefrierpunkt sinken. Der Mond lässt die hügelige Landschaft, umsäumt von tiefschwarzen Waldkonturen, in eine surreale Kulisse tauchen.

Appenzeller Winterlandschaft

Es ist schon spät als ich den Nachhauseweg antrete und mit dem Wagen den schmalen Strassen folge. Die Zufahrtstrasse zu unserem Haus, stellt sich in einer Haarnadelkurve immer wieder von neuem als eine besondere Herausforderung dar. Die Stelle ist meist spiegelglatt und die enge Kurve weist eine leichte Neigung auf. So lasse ich meinen Wagen weit vor dieser Kurve an einer geeigneten Stelle zurück und lege den Rest des ca. 2 km langen Weges zu Fuss zurück.

Die Stille wird von einem dumpfen bellen eins Hundes des nahe liegenden Hofes unterbrochen. Dann wieder absolute Stille. Im gleichmässigen Schritt schreite ich auf der schneebedeckten Strasse voran. Die eisige Luft sticht in meinen Lungen wie Nadeln und ich spüre jeden einzelnen Pulsschlag. Durch die gleichmässige Bewegung, breitet sich eine wohlige Wärme in meinem Körper aus. Von Zeit zu Zeit halte ich Inne, lasse meinen Blick über die Hügel schweifen und blicke zum Sternenhimmel empor. Atemberaubend, wie Diamanten glänzend, funkeln die Sterne am schwarzen Himmelszelt. Ich geniesse jeden einzelnen Augenblick in dieser unwirtlichen Umgebung.

In dieser absoluten Ruhe und Einsamkeit haben die Gedanken genügend Platz ihren Raum einzunehmen. Vor einer wichtigen Entscheidung stehend, wäge ich alle Vor- und Nachteile ab. In Gedanken versunken, nehme ich in meinem rechten Augenwinkel eine hastige Bewegung wahr, welche mich aus meinem drehenden Gedankengebilde heraus reisst. Langsam drehe ich den Kopf in dieselbe Richtung. Mein Blick wandert über das vor mir liegende, schneebedeckte und weitläufige hüglige Feld. Da ist die Bewegung wieder. Im Mondlicht nehme ich die Verfolgung des bewegenden Schattens wieder auf. Dieser bewegt sich geradewegs auf mich zu, hält ab und an inne und beobachtet das nähere Umfeld. Der Umriss formt sich und die Kontur wird nun immer klarer. Zwei Meter vor mir bleibt das Tier stehen und hält die Nase in meine Richtung, mustert mich und schaut mir tief in die Augen. Es ist ein Fuchs. Ein berührender Moment so nah an einem Tier zu stehen, welches immer dann meinen Weg kreuzt, wenn eine wichtige Veränderung ansteht.

Fuchs als Zeichen der bevorstehenden Veränderung

Während ich meinem Gedanken nachhänge um mir in Bezug auf die anstehende Entscheidung und der Begegnung mit dem Fuchs einen Reim zu machen, trottet dieser davon und geht seines eigenen Weges.

An diesem Abend konnte ich noch nicht im geringsten Ahnen, dass die in den nächsten Tagen zu fällende Entscheidung, jeglicher Logik und rationalem Verstand widersprechen würde. Fortsetzung folgt…

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